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Agile Suppe

Bei der Vorbereitung auf meinen Talk für die DevLounge, bei dem ich über agile Grundlagen reden wollte, stand ich vor der Frage ob ich mehr zu Methoden und Frameworks wie Scrum oder eher etwas zum agilen Manifest und den Prinzipien dahinter erzählen möchte. Ich habe mich dann für einen ganz kurzen Abriss zu Scrum und eine Vorstellung des agilen Manifests mit dessen Prinzipien entschieden. Denn ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass ich mit den Werten und Prinzipien eher Vermitteln kann worum es dabei geht.

Vor kurzem bin ich dann bei Stackoverflow auf eine (bereits geschlossene) Frage gestoßen, welche mich erneut über die Frage agiles Mindset vs. Methoden hat nachdenken lassen. Dabei hat der Fragesteller gefragt, ob es normal sei, dass er in einem so genannten agilen Projekt keine "Daily Scrums" habe. - Dabei habe er doch so viel zu erzählen.
Ein anderer antwortete ihm, dass es nicht normal ist, denn das Daily Scrum sei der wichtigste Teil vom agilen. In seiner Antwort wies er auch darauf hin, dass es normal sein kann in Umgebungen, welche sich agile nennen aber nicht dem wahren agilen Geiste folgen.

Hier wird das agile Mindset mit Methoden aus Scrum vermischt. Das Daily Scrum ist Bestandteil von eben diesem Rahmenwerk hat aber nichts mit den agilen Werten zu tun sondern kann diese nur fördern.
(09.10.2012: Den oberen Teil nach Hinweisen von pboop überarbeitet.)

Wenn so viele, die Methoden und das Mindset wild untereinander mischen und würfeln, dann wundert es mich kaum zu hören, dass dieses agile nicht funktioniert.



Irgendwie ist es doch so wie mit der Suppe nach Omas Geheimrezept. Wenn man sie isst, so schmeckt man das besondere heraus. Nach dem Rezept gefragt bekommt man eine Liste von ausgewählten Zutaten, welche  nicht immer leicht zu bekommen oder zu verarbeiten sind. Und weil die Oma uns helfen möchte, dass diese Suppe gelingt, so gibt sie uns auch noch einen zweiten Zettel mit Verarbeitungshinweisen. Evtl. gibt sie uns etwas später noch eine andere Verarbeitungsanleitung, weil wir nicht das passende Werkzeug für die erste hatten.

Da wir nun andere an dem Genuss dieser Suppe teilhaben lassen möchten, entschließen wir uns die Suppe für die nächste Feier zuzubereiten. Leider fehlt uns eine schwer zu bekommende Zutat. Wir lassen sie einfach weg aber hey wir folgen ja Omas Anleitung sonst haben wir ja auch alles. Natürlich preisen wir die Suppe nach Omas Geheimrezept an. Sie war immer noch super und so geben wir das Rezept weiter.

Ein Jahr später sind wir zu einer Party eingeladen und dort wird die Suppe nach Omas Geheimrezept angeboten. Da wir diese Suppe eine Weile nicht mehr hatten freuen wir uns drauf. Auf der Party dann müssen wir feststellen, dass diese Suppe nichts besonderes mehr ist. Gewöhnlich. Den "Koch" nach der Zubereitung befragt, müssen wir feststellen, dass von den ursprünglichen Zutaten, welche die Suppe zu etwas besonderen gemacht haben, nichts mehr übrig ist - aber hey die Zubereitungsanleitung wird immer noch genau befolgt - Also ist es doch auch die Suppe nach dem Geheimrezept oder?

Ohne die essentiellen Zutaten kann ich zwar noch eine Suppe machen aber es ist halt eine andere. Und mit den Verarbeitungshinweisen kann ich die aber auch eine völlig andere Suppe machen. Dies wird im agilen Umfeld oft vergessen.

So oder so ähnlich kommt es mir heute oft mit dem agilen Manifest mit seinen Werten und Prinzipien, wenn ich dies mal als Zutatenliste bezeichne, und den Methoden drum herum, den Verarbeitungshinweisen, vor. Es ist eine Suppe geworden...

Kommentare

  1. Hallo Christoph, ich denke, Du würfelst hier ganz schön was durcheinander: Daily Scrums haben nichts mit Werten oder Mindset zu tun. Das Vorhandensein oder Fehlen sagen nichts darüber aus, ob hier agil gearbeitet wird oder nicht. Wenn Du agil durch Scrum ersetzt, sieht das ein wenig anders aus.

    Eigentlich ist der Daily Scrum nur ein Ersatz für kontinuierliche Kommunikation, die erstrebenswert, aber kaum machbar ist.

    Deine agile Suppe ist ein schönes Bild. Leider sprichst Du auch dort nur von Zutaten und nicht von Werten. Passender wäre es gewesen, wenn die wesentliche Zutat der Suppe "Hingabe" gewesen wäre. Dann kannst Du das Rezept mechanistisch befolgen und die Suppe wird trotzdem nicht gelingen. Aber das wäre dann eher ein Märchen. :)

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  2. Hallo pboop,
    bei dem Punkt mit dem Daily Scrum geb ich dir vollkommen recht! Die Antwort war nicht von mir! (Ich schau mal ob ich das im Beitrag klarer formulieren kann) Dieses Durcheinander welches du ansprichst war der Auslöser meiner Gedanken...

    Mit den Zutaten habe ich die Werte gemeint. Das mit der Hingabe ist aber auch eine gute Ergänzung. Danke!

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  3. Schöner Artikel! Ich finde die Analogie mit der Suppe nicht so gekonnt: Das agile Mindset gibt ja Grundsätze vor. Die Analogie könnte etwas sein wie "Nimm grundsätzlich frisches Gemüse" - welches konkret, ist offen. Das präzise Umsetzen wie in Deinem Beispiel ist eher das Problem, dass Scrum und XP oft haben: Es werden nur Teile umgesetzt und dann geht es schief. Das ist aber gerade nicht das Mindset, sondern die konkrete Methode. Soweit meine 0.02€.

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  4. Danke!
    Ich bin aktuell der Ansicht, dass das nicht komplette Umsetzen der Praktiken darauf beruht, dass das Mindset nicht verinnerlicht und verstanden wurde. Dadurch ist nicht ersichtlich wie die konkreten Praktiken dies unterstützen und was die weggelassenen Teile bewirken. Wenn ich nicht weis wofür die Teile gut sind die ich weg lasse und wie sie mit den anderen Zusammenspielen verstehe ich auch nicht warum das ganzheitliche so wichtig ist.

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  5. ... und wenn ich nicht das "Warum" für einen einzelnen Aspekt erklärt bekomme und erkenne [1], kann ich auch nicht das Gesamtbild sehen ... und in der Folge eben auch kein Mindset entwickeln.

    Die Organisation (oder ich als Teil dieser) steht dann nicht hinter dem Ganzen und fällt in Streßmomenten gern wieder auf "alte Tugenden" [2] zurück...

    Das Daily Scrum zum Beispiel ist für mich eine pragmatische Antwort von Scrum auf das 6. Prinzip des Agile Manifesto [3] "Die effizienteste und effektivste Methode ... von Angesicht zu Angesicht" um Kommunikation zu fördern. Allerdings gibt es aus genügend Beispiele, wie man das Daily falsch "leben" kann (z.B. als Status-Meeting, als alleinige Kommunikation, ...) und dann ist dies eben auch nicht "agil" und wir sind wieder bei [1].

    usw.

    CU
    Boeffi

    [1] Cargo Cult - z.B. http://on.boeffi.net/OTeVsm
    [2] "Scrum, but..." - z.B. http://on.boeffi.net/VgVNml
    [3] http://agilemanifesto.org/iso/de/principles.html

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